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FILMISCHE MALEREI: Schönheit und Schrecken

Kurze Einleitung zum Werk von Ute Ströer

Von Oriane Durand

Verblüffend in den Filmen von Ute Ströer ist die Mischung einer klaustrophobischen Atmosphäre mit der Präsenz einer unterschwelligen Erotik. Schon in den ersten Bildern ihrer Filme findet sich der Zuschauer in einer surrealen und zwiespältigen Welt wieder. In ihrem letzten Film Schlafende Füchsin treibt die Künstlerin diese Doppeldeutigkeit auf die Spitze. Man weiß nicht wo die einzelnen Ebenen der Erzählung anfangen und aufhören. Zudem fügt sich der virtuose Einsatz von filmischen Requisiten wie Haut, Stoff, Licht und Geräusch zu einem organischen Stillleben zusammen.
Wie so oft ist Ute Ströer durch ein Märchen inspiriert und überträgt dieses in ein Drehbuch. Dieses Drehbuch gibt die Hauptrichtung vor. Von da an arbeitet Ute Ströer, die gleichzeitig Regisseurin, Bühnenbildnerin, Kamerafrau, Kostümbildnerin und Schauspielerin ist, an der Komposition des Bildes. In einem kleinen Studio dreht sie eine Filmsequenz nach der anderen.
Während sie sich auf dem Bildschirm sieht, positioniert sie sich, spielt eine Szene, setzt das Licht und die anderen Requisiten bis alles stimmt und ein vollkommenes Bild ergibt. Die nächste Sequenz geht von der Bildkomposition der Vorherigen aus; mit jedem Schnitt entsteht im Film eine immer komplexere Bildlogik. Nach und nach wird aus dem Film ein lebendiges Gemälde. Das Drehbuch rückt also in den Hintergrund und das Märchen nimmt einen anderen Verlauf.
Für Ute Ströer zählt nicht so sehr der Inhalt der Geschichte, sondern was diese an Widerspruch in sich trägt. Die bloße Tatsache, dass sie alle Figuren selbst spielt, untergräbt die Struktur des Märchens. Zur gleichen Zeit ist sie die Böse und die Gute, die Großzügige und die Geizige, die schöne Prinzessin und die hässliche Hexe.
Es gibt keine idealen und geträumten Figuren; keine Helden, mit denen der Zuschauer sich identifizieren kann. Worauf man schaut sind verschiedene Facetten derselben Person. Der Protagonist verkörpert also ein Wesen mit multiplen Identitäten, dessen Gesicht sich von einer Sequenz zu anderen rasch ändert, so dass man von einer Art filmischen Schizophrenie sprechen kann. Aber der Wechsel von Physiognomie und Erscheinung geschieht so schnell, dass man das kaum merkt. Auffällig ist der markante Unterschied zwischen den jeweiligen Figuren. Mit maßlos geschminkten Gesichtern sehen sie wie dunkel surrealistischen Gestalten aus, die direkt aus Horror Film entnommen scheinen. Hier zeigt sich Ute Ströers Vorliebe für dieses Genre und Filmen wie THE MASK OF SATAN von Mario Bava und THE COMPANY OF WOLVES von Neil Jordan. Schlafende Füchsin ist wie ein bildgewordener Alptraum, indem Schrecken, Ängste und Sehnsüchte durch die verschiedenen Charaktere repräsentiert werden.
Es gibt also weder Angeklagte noch Opfer, niemand, auf den man mit den Fingern zeigt oder den man in Schutz nehmen müsste. Man befindet sich an einem Ort – wie in einem Traum, wo kein Urteil gefällt werden muss.
Wenn auch die Atmosphäre bisweilen kitschig und barock beladen wirkt, sind diese Effekte im Film da, einzig um die Regeln der Moral hinweg zu fegen und das, was das Märchen an Befreiendem für das Unterbewusstsein inne hält, zu offenbaren.

DEU / ENG